Stücknutzen in der Apotheke – kleine Margen, große Wirkung im Apothekenalltag

Der Teufel steckt im Detail – und der Gewinn oft im Stück.

In Apotheken entscheidet nicht nur der Gesamtumsatz über die Wirtschaftlichkeit, sondern vor allem der Stücknutzen. Diese Kennzahl zeigt, wie viel Gewinn jede abgegebene Packung tatsächlich erwirtschaftet.
Wer den Stücknutzen versteht, analysiert und gezielt optimiert, kann seine Wirtschaftlichkeit messbar steigern.

Was bedeutet Stücknutzen?

Der Stücknutzen ist der konkrete wirtschaftliche Beitrag einer einzelnen abgegebenen Packung zur Deckung der Kosten und zur Erzielung eines Gewinns. Er ist eine der wichtigsten Ergänzungen zum Rohertrag und dient als präziser Indikator für die Rentabilität einzelner Produkte oder Warengruppen.

Formel: Stücknutzen = (Verkaufspreis – Einkaufspreis) / Anzahl abgegebener Packungen

Je höher der Stücknutzen, desto wirtschaftlicher arbeitet Ihre Apotheke. Dabei ist nicht nur der Preis, sondern auch die Struktur der abgegebenen Produkte entscheidend.

Beispiel:

Gibt eine Apotheke 10.000 Packungen ab und erzielt daraus einen gesamten Stücknutzen (Summe der wirtschaftlichen Beiträge aller Packungen) von 25.000 €, so ergibt sich ein durchschnittlicher wirtschaftlicher Beitrag von 2,50 € pro Packung.

Erhöht sich der Stücknutzen je Packung um 0,20 €, steigt der gesamte Stücknutzen bei gleicher Absatzmenge um 2.000 €.

Bleiben die Fixkosten der Apotheke unverändert, erhöht sich der Jahresgewinn ebenfalls um 2.000 €, da der zusätzliche Stücknutzen vollständig in den Gewinn übergeht.

Grafik die, die Optimierung des Stücknutzen zeigt

Warum der Stücknutzen eine unterschätzte Kennzahl ist

Viele Apotheken konzentrieren sich auf Umsatz und Rohertrag – der Stücknutzen bleibt dabei oft unbeachtet.
Dabei zeigt gerade diese Kennzahl, wo Wirtschaftlichkeit im Apothekenalltag tatsächlich entsteht: auf Ebene der einzelnen abgegebenen Packung.

Der Stücknutzen macht sichtbar,

  • welche Produkte einen positiven wirtschaftlichen Beitrag leisten,
  • welche Segmente oder Hersteller Kosten binden, ohne zur Ergebnisverbesserung beizutragen,
  • wo sich Einkauf, Lager und Abgabe gezielt optimieren lassen,
  • und wie sich eine klare, wirtschaftlich fundierte Sortimentsstrategie entwickeln lässt.

Hinweis:
Analysieren Sie den Stücknutzen Ihrer Produkte nach Warengruppen – häufig verbergen sich dort bislang ungenutzte Ertragspotenziale.

Einflussfaktoren auf den Stücknutzen

1. Einkaufspreise und Konditionen

Der Einkauf ist einer der stärksten Hebel für den Stücknutzen. Rabatte, Skonti und Bonusregelungen beeinflussen den wirtschaftlichen Beitrag pro Packung unmittelbar.

Schon geringe Preisunterschiede im Einkauf wirken sich – hochgerechnet auf viele Abgaben pro Jahr – deutlich auf die Summe der Stücknutzen und damit auf das Betriebsergebnis aus.

2. Sortimentsgestaltung

Der Produktmix einer Apotheke bestimmt maßgeblich den durchschnittlichen wirtschaftlichen Beitrag pro Packung.

Produkte mit stabilem Absatz und gutem Stücknutzen können weniger rentable Segmente ausgleichen und so die Gesamteffizienz des Sortiments verbessern.

3. Abgabeverhalten

Welche Produkte werden bevorzugt abgegeben – Rabattarzneimittel, Generika oder Originalpräparate?

Ein bewusstes, wirtschaftlich reflektiertes Abgabeverhalten beeinflusst nicht den Umsatz, wohl aber den Beitrag jeder einzelnen Abgabe zur Kostendeckung.

4. Lagerhaltung

Ein hoher Stücknutzen verliert seinen Wert, wenn Produkte verfallen oder unnötig lange Kapital binden.

Eine enge Abstimmung zwischen Einkauf, Lagerhaltung und Abgabe ist daher Voraussetzung dafür, dass der wirtschaftliche Beitrag einer Packung tatsächlich realisiert wird.

Stücknutzung und Rohertrag – zwei sich ergänzende Kennzahlen

Der Rohertrag beschreibt die wirtschaftliche Gesamtleistung der Apotheke über einen Zeitraum.
Der Stücknutzen liefert dagegen eine feinere Analyse auf Einzelproduktebene.

Er beantwortet nicht die Frage „Wie viel Gewinn entsteht?“, sondern:

Welchen wirtschaftlichen Beitrag leistet eine einzelne Packung zur Deckung der Kosten und zur späteren Gewinnerzielung?

Beide Kennzahlen ergänzen sich:

  • Der Rohertrag zeigt die Gesamtentwicklung der Apotheke.
  • Der Stücknutzen deckt Optimierungspotenziale auf Produktebene auf.

Hinweis:
Vergleichen Sie regelmäßig die Entwicklung von Rohertrag und Stücknutzen – Veränderungen auf Stückebene machen Effizienzprobleme oft frühzeitig sichtbar.

Passender Artikel dazu: Rohertrag in der Apotheke – So berechnen und verbessern Sie Ihre Kennzahlen in 2026.
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Strategien zur Verbesserung des Stücknutzens

1. Einkaufsoptimierung

  • Verhandeln Sie gezielt individuelle Konditionen.
  • Nutzen Sie Rabattsysteme, Skonti und Bonusvereinbarungen konsequent.
  • Prüfen Sie regelmäßig alternative Lieferanten und Direktbezüge.

2. Sortiment differenziert steuern

  • Fokussieren Sie sich auf Produkte mit stabilem Absatz und positivem Stücknutzen.
  • Identifizieren Sie durch Sortimentsanalysen wirtschaftlich schwache Artikel.
  • Optimieren Sie die Platzierung ertragsstarker Produkte (z. B. Sichtwahl).

3. Abgabeentscheidungen aktiv gestalten

  • Schulen Sie Ihr Team im Verständnis betriebswirtschaftlicher Zusammenhänge.
  • Sensibilisieren Sie für wirtschaftlich sinnvolle Alternativen, soweit fachlich möglich.
  • Beobachten Sie gezielt die Veränderung des Stücknutzens nach Produktumstellungen.

4. Prozesskosten senken

Wirtschaftlichkeit entsteht nicht nur durch bessere Margen, sondern auch durch effiziente Abläufe.

Zeitaufwand, Doppelbestellungen oder manuelle Nacharbeiten erhöhen die Kosten pro Packung und reduzieren so den realisierten wirtschaftlichen Beitrag.

Besonderheiten hochpreisiger Arzneimittel: Stücknutzen gezielt nutzen

Hochpreisige Arzneimittel oder Hochpreiser werden im Apothekenalltag häufig primär als Umsatztreiber betrachtet.
Betriebswirtschaftlich betrachtet bieten sie jedoch ein weiteres, oft unterschätztes Potenzial: einen hohen absoluten Stücknutzen pro Packung.

Auch wenn die prozentuale Marge bei Hochpreisern begrenzt ist, führen absolute Zuschläge und Einkaufsvorteile dazu, dass bereits kleine Verbesserungen im Einkauf einen spürbaren zusätzlichen wirtschaftlichen Beitrag pro Packung erzeugen können.

Gerade bei Hochpreisern lohnt sich daher ein bewusst gesteuerter Einkauf, insbesondere mit Blick auf:

  • Direkteinkauf beim bei spezialisierten Großhändlern wie der Europharm
  • individuelle Konditionen & Zahlungsziele

Ein Preisunterschied von wenigen Euro im Einkauf kann bei hochpreisigen Arzneimitteln den Stücknutzen deutlich erhöhen – und wirkt sich bei regelmäßigem Absatz unmittelbar auf die Summe der wirtschaftlichen Beiträge aus.

Direkteinkauf als strategischer Hebel

Der Direkteinkauf bietet bei Hochpreisern häufig:

  • bessere Nettokonditionen
  • transparente Konditionen
  • geringere Abhängigkeit von Großhandelsstrukturen

Wird der Einkauf solcher Produkte strategisch geplant, kann der Stücknutzen pro Packung signifikant steigen, ohne dass sich Abgabeprozess oder Beratungsaufwand verändern.

Hinweis:
Hochpreisige Arzneimittel sind nicht nur umsatzstark, sondern können – bei gezieltem Einkauf – auch einen überdurchschnittlichen wirtschaftlichen Beitrag pro Packung leisten.

Apotheken, die Hochpreiser nicht nur abgeben, sondern ihren Einkauf aktiv steuern, nutzen einen der wirkungsvollsten Hebel zur Verbesserung des Stücknutzens.

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Passender Artikel dazu: Hochpreiser – Risiko oder Chance? 👉 Jetzt Artikel lesen

Digitalisierung als Unterstützung bei der Stücknutzenanalyse

Moderne Warenwirtschaftssysteme ermöglichen heute eine präzise Auswertung von Stücknutzen und Rohertrag nach Warengruppen, Herstellern oder Zeiträumen.

Übersichtliche Dashboards zeigen auf einen Blick, wo wirtschaftlicher Beitrag entsteht – und wo Handlungsbedarf besteht.

Vorteile digitaler Analysen:

  • Transparente Entwicklung wirtschaftlicher Beiträge
  • Früherkennung von Veränderungen im Einkauf
  • Klare Visualisierung von Ertragsstrukturen

Nutzen Sie digitale Kennzahlen gezielt, um die Entwicklung Ihres Stücknutzens kontinuierlich zu beobachten und aktiv zu steuern.

Typische Fehler, die den Stücknutzen verringern

  • Fehlende regelmäßige Überprüfung der Einkaufspreise
  • Überbevorratung und Verfall
  • Unklare Zuständigkeiten im Einkauf
  • Fehlendes betriebswirtschaftliches Verständnis im Team

Oft sind es kleine Nachlässigkeiten, die sich über das Jahr hinweg deutlich auf die Summe der wirtschaftlichen Beiträge auswirken.

Fazit

Stücknutzen bewusst steuern, Wirtschaftlichkeit sichern

Der Stücknutzen ist eine der präzisesten Kennzahlen zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit einer Apotheke.
Er zeigt, wie effizient jede einzelne Packung zum Gesamtergebnis beiträgt und liefert konkrete Ansatzpunkte zur Verbesserung.

Wer den Stücknutzen regelmäßig analysiert und steuert, optimiert nicht nur die Wirtschaftlichkeit einzelner Produkte, sondern stärkt nachhaltig Rohertrag und Gewinn der Apotheke.